Vegetarismus

Die Welt wird heilen, wenn der Mensch seine Beziehung zu den Tieren heilt

Seit Jahrzehnten nimmt auch in Österreich der Anteil der sich vegetarisch und vegan ernährenden Menschen stetig zu. Es gibt verschiedene Gründe, sich dieser Ernährungsform zu verschreiben. Dazu gehören die Themen Gesundheit, Gewalt gegen Tiere und die damit verbundenen überaus problematischen  Folgen für die Menschheit, und nicht zuletzt ethische und religiöse Gründe.

Der lange Darmtrakt des Menschen kennzeichnet ihn als Pflanzenesser und ist für die Verdauung von Fleisch nicht wirklich geeignet. Gewalt an Tieren führt zu einer Verrohung der menschlichen Psyche und zu einer Zunahme von Aggression und Gewalt. Die Massentierhaltung, die den modernen übermäßigen Fleischkonsum erst ermöglicht, bringt schwerwiegende Konsequenzen für Mensch und Umwelt mit sich. Auch ethische und religiöse Gründe spielen eine große Rolle. Verschiedene Religionen verbieten den Verzehr von Fleisch oder schränken ihn ein. Das hat seinen Grund vor allem darin, dass Gewalt gegen Tiere allgemein ein Klima der Gewalt, der Ausbeutung und des Missbrauchs fördert.

 

Vegetarismus fördert die psychische und physische Gesundheit

Als Srila Prabhupada die Bewegung für Krishna-Bewusstsein in die westliche Welt brachte, erklärte er seinen Schülern und Anhängern, dass eine vegetarische Lebensweise für die Entwicklung einer wahrhaft menschlichen Zivilisation unentbehrlich sei. Insbesondere spiritueller Fortschritt werde durch den Konsum von Fleisch sehr erschwert, da das Töten von Tieren eine schwere karmische Last mit sich bringe, die den Menschen unfähig macht, subtileres Wissen hinsichtlich der Gesetze des Lebens zu verstehen.

Hier sollten vor allem vier Punkte, die klar für eine vegetarische Ernährung sprechen, Erwähnung finden. Diese Punkte treffen gleichermaßen auf die vegane Ernährung zu. Warum die vedische Kultur Milch und Milchprodukte für den menschlichen Verzehr sogar empfiehlt, soll an anderer Stelle behandelt werden. Wenn jemand eine vegane Ernährung einer lakto-vegetarischen vorzieht, dann ist aber aus vedischer Sicht dagegen nicht das Geringste einzuwenden.

Fangen wir mit der Gesundheit an. Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass zwischen Fleischkonsum und vielen Krankheiten eine direkte Verbindung besteht. Schon 1961 wurde im amerikanischen Ärztejournal dargelegt, dass 90 bis 97% aller Herzerkrankungen durch eine fleischlose Kost vermieden werden könnten. Auch Krebs mit Fleischessen in einen Zusammenhang gebracht. So wurde festgestellt, dass der durch Fehlernährung bedingte Dickdarmkrebs  bei Vegetariern sehr selten vorkommt.  Auch viele andere Krankheiten treten bei einer vegetarischen Kost seltener auf.

Einer der Gründe, warum Fleischesser anfälliger für Krankheiten sind, besteht laut Biologen und Ernährungswissenschaftlern darin, dass der menschliche Darm für die Verdauung von Fleisch nicht besonders geeignet ist. Pflanzliche Nahrung zersetzt sich im Verdauungstrakt viel langsamer als Fleisch, wodurch ein längerer Darm erforderlich ist. Fleisch zersetzt sich jedoch sehr schnell und beginnt zu faulen. Durch den langen Aufenthalt des Fleisches im langen menschlichen Darm entstehen dadurch Toxine, die zu Gicht, Arthritis, Rheuma, Krebs und anderen Krankheiten führen können.

Immer mehr Menschen erkennen die Doppelmoral, die heute gegenüber Tieren herrscht. Während insbesondere Hunde und Katzen verwöhnt und manchmal regelrecht vergöttert werden und jede Gewaltanwendung  gegen sie tabu ist, leiden ihre Tierbrüder und Tierschwestern von der Öffentlichkeit unbeachtet  unter furchtbaren Qualen und Entbehrungen, die schließlich in einen grausamen Tod münden. Die Massentierhaltung zum Fleischgewinn erniedrigt diese Lebewesen zum einem bloßen Konsumartikel, der auf eine unbarmherzige und unmenschliche Weise behandelt wird. Antibiotika, Beruhigungsmittel, Wachstumsförderer und Hormone werden in großen Mengen eingesetzt, damit die Tiere unter den schrecklichen Haltungsbedingungen überhaupt das zur Fleischproduktion erwünschte Alter erreichen können.

In den Schlachthäusern spüren die Tiere, was auf sie zukommt. Vor Angst schreiend werden sie durch Hammerschläge, Elektroschocks oder Bolzenschusswaffen betäubt und an den Hinterbeinen hochgezogen und aufgehängt. Während sie nach einem Schnitt durch die Kehle zu Tode bluten, werden ihre Körper bereits verarbeitet.

 

Fleischproduktion als Ursache für Welthunger

Die industrielle Massenproduktion von Fleisch führt auch zu schwerwiegenden ökonomischen und ökologischen Problemen. Fleisch ernährt wenige auf Kosten vieler. Der größte Teil der Getreideproduktion wird an Tiere verfüttert, was eine ungeheure Verschwendung von Lebensmitteln darstellt. Für ein Kilo Rindfleisch werden 16 Kilo Getreide benötigt, was bedeutet, dass durch den direkten Verzehr des Getreides sechszehnmal mehr Menschen mit Nahrung versorgt werden könnten. Während also auf der einen Seite der Welthunger ein riesiges Problem darstellt, verdienen auf der anderen Seite finanzkräftige Konzerne riesige Summen mit einer noch zusätzlich subventionierten Fleischproduktion.

Überdies verschwenden Wohlstandsländer nicht nur einen Teil ihrer eigenen Getreideproduktion, sondern vor allem Futtermittel, die aus der Dritten Welt kommen. Dabei wird den dortigen Bauern ihr Land geraubt, um es zu riesigen Produktionsbetriebe zusammenzuschließen. Das wiederum hat weltumspannende Auswirkungen, etwa in Form der Migration. Die Fleischproduktion zerstört aber nicht nur die natürliche Wirtschaftsordnung in diesen Ländern und macht sie vom internationalen Finanzsystem abhängig, sondern hat ebenso schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt. Mehr als die Hälfte des tropischen Regenwaldes wurde auf diese Weise in den letzten Jahrzehnten in eine Wüstenlandschaft verwandelt. Tierarten sterben aus und Ungezieferplagen nehmen zu. Das ganze sensible ökologische System gerät aus dem Gleichgewicht.

 

Fleischkonsum als Ursache für gesellschaftliche Degeneration

Ethische und religiöse Gründe für eine vegetarische Ernährung stehen in einem direkten Zusammenhang mit dem oben beschriebenen Folgen der modernen Fleischproduktion. Aus Grausamkeit und Gewalt gegenüber anderen Lebewesen kann nichts Gutes kommen, weder gesundheitlich noch ökonomisch oder ökologisch. Die Folgen des gigantischen Fleischkonsums sind verheerend, nicht nur für die betroffenen Tiere selbst, sondern für die ganze Erde. Eine grausame Handlung zieht automatisch Handlungen ähnlicher Qualität nach sich. So ist es nicht verwunderlich, dass die Fleischindustrie zumindest teilweise mit mafiösen Strukturen verbunden ist, wie man sie aus der Welt des organisierten Verbrechens kennt.

Eine Gesellschaft, die den Massenmord an Tieren duldet, leidet unter einer signifikanten Abnahme von Empathie und Beziehungsfähigkeit und entwickelt  ausgeprägter Verdrängungsmechanismen, die der Entstehung eines heuchlerischen „Gutmenschentums“ Vorschub leisten. Diese negativen Eigenschaften werden durch den Konsum von Fleisch massiv gefördert und verstärkt. Die die oben zusammenfassend beschriebenen groben Auswirkungen der Fleischproduktion und des Fleischkonsums zerstören die physische und psychische  Gesundheit des Menschen, der Wirtschaft und der Erde, aber sie sind nur der äußere Ausdruck eines subtilen Bewusstseinsverfalls, der wie eine dunkle Wolke die ganze Welt überzieht. Das in den Veden beschriebene Gesetz des Karma besagt, dass auf jede Handlung, gut oder schlecht, eine entsprechende Reaktion folgt. Die subtilen Auswirkungen des Massenmordes an Tieren erleben wir vor allem in Form der Zunahme von Egozentrismus und emotionaler Verarmung. Dass diese Eigenschaften in Phänomenen wie Streit, Gewalt, Betrug, Missbrauch und Ausbeutung ihren Ausdruck finden, ist nicht weiter verwunderlich.

Erst wenn sich die Menschheit offen den Verbrechen des Massenmordes an Tieren Iund ganz besonders auch an den ungeborenen Kindern) stellt, kann das Schicksal der Menschen eine umfassend positive Wendung nehmen. Mit einer vegetarischen oder veganen Ernährung können wir alle einen überaus wirksamen Beitrag zur spirituellen Erneuerung der Menschheit leisten.